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Code for Switzerland!

Code for Switzerland!

von Dr. Mar­cus Dapp | 22.07.2015

Tra­di­tio­nelle Modelle wer­den zuneh­mend in Frage gestellt: Städte müs­sen in der digi­ta­len Welt neue Wege der Inter­ak­tion mit ihren Bür­gern fin­den. Open Source Soft­ware und Open Data bil­den die Grund­vor­aus­set­zung dafür, dass sich die Civic Tech Bewe­gung ent­fal­ten und wir­ken kann — auch in der Schweiz.

IT-​Verantwortliche in Städ­ten und Gemein­den haben es schwer. Ein kom­ple­xes Sys­tem an Beschaf­fungs­re­geln in Kom­bi­na­tion mit dem häu­fig vor­ge­schrie­be­nen Was­ser­fall­mo­dell füh­ren in der Ten­denz zu gros­sen, teu­ren und ris­kan­ten IT-​Projekten. Darum wer­den sie von einer Verkäufer-​Heerschaar der IT-​Industrie um-​worben, die sie gar zu «Smart Cities» machen wol­len, wenn sie ent­spre­chend lang­fris­tige Ver­träge mit ihnen ein­ge­hen. Den­noch wird kaum je eine Behörde belangt, wenn wie­der ein IT-​Projekt zu teuer wird oder zu lange dau­ert oder nicht die erwar­tete Leis­tung bringt und dadurch Steu­er­gel­der ver­schwen­det. Das könnte sich mit mehr inter­es­sier­ten Augen aber ändern.

Govern­ment IT – Alte Regeln und neue Ansätze

Nach dem Vor­bild in den USA bil­den sich auch im deutsch­spra­chi­gen Raum in immer mehr Städ­ten Bür­ger­grup­pen, die es sich zum Ziel gesetzt haben, die Online-​Verhältnisse in der eige­nen Stadt zu ver­bes­sern. Der grosse Unter­schied zu frü­her? Statt tra­di­tio­nel­ler Metho­den, mit Kam­pa­gnen Miss­stände auf­zu­de­cken und sich per Ein­ga­ben an die Ver­ant­wort­li­chen zu wen­den, wer­den die Pro­bleme direkt ange­gan­gen, indem kon­krete IT-​Lösungen geschaf­fen und frei zur Ver­fü­gung gestellt wer­den. Teil­neh­mende an den regel­mäs­si­gen Tref­fen ent­wi­ckeln Web­sites oder mobile Apps, die öffent­li­che Infor­ma­tio­nen für die Masse auf­be­rei­ten (Was­ser– qua­li­tät, Kita­plätze, Bau­stel­len, Miet­preise, etc.), poli­ti­sches Enga­ge­ment för­dern (städ­ti­sche Wahl-​o-​maten, offene Rats­in­for­ma­ti­ons­sys­teme, etc.) oder Online-​Dienste der Stadt ver­bes­sern oder über­haupt zum ers­ten Mal online anbie­ten (Aus­wahl der Schule, Wo sind die gefähr­lichs­ten Rad­wege, etc.). Open Source Soft­ware und Open Data spie­len dabei eine zen­trale Rolle.

Civic Tech­no­logy

Der neue Trend «Civic Tech» kann als Kon­ver­genz ver­schie­de­ner The­men betrach­tet wer­den: Trans­pa­renz und Zugang zu öffent­li­chen Daten, digi­ta­les bür­ger­schaft­li­ches Enga­ge­ment, soziale Anlie­gen, Tei­len statt Besit­zen, Crowd-​Funding und hyper­lo­kale soziale Netz­werke (vgl. Knight Foun­da­tion, The Emer­gence of Civic Tech, 2013). Wenn ein Pro­jekt Lösun­gen zum Nut­zen aller anstrebt, spricht man von «Civic». Ein hoher Grad der Zusam­men­ar­beit und Ver­net­zung, ein gros­ser Pool an Open Source Werk­zeu­gen und eine lang­sam aber ste­tig wach­sende Menge offe­ner Daten der Ver­wal­tung ermäch­ti­gen Bür­ge­rin­nen und Bür­ger Heraus-​forderungen in ihren eige­nen­Städ­ten selbst anzu­ge­hen. Open Source Soft­ware und Open Data befeu­ern die Civic Tech Bewe­gung. Auch in der Schweiz. Als Vor­rei­ter die­ser Ent­wick­lung gilt die 2009 gegrün­dete Non-​Profit Orga­ni­sa­tion «Code for Ame­rica». Ihr Ziel ist es, das Know-​How des Sili­con Val­ley für soziale Ziele einzu-​setzen und den Geist der Civic Tech Bewe­gung in die Stadt­ver­wal­tun­gen hin­ein­zu­brin­gen um sie für das 21. Jahr­hun­dert fit zu machen. Durch hun­derte Pro­jekte demons­triert Code for Ame­rica, was in Städ­ten mög­lich ist, wenn enga­gierte und kennt­nis­rei­che Per­so­nen mit einem kol­la­bo­ra­ti­ven Ansatz und einem Amal­gam aus agi­len Metho­den und neuen sozia­len Tech­no­lo­gien gesell­schaft­li­che Her­aus­for­de­run­gen angehen.

Zei­gen, was mög­lich ist

Wie funk­tio­niert die Zusam­men­ar­beit zwi­schen der Civic Tech Com­mu­nity und der Stadt­ver­wal­tung? Aus Inter­views einer For­schungs­reise in die USA ent­stan­den zahl­rei­che Erkennt­nisse. Die fol­gen­den Vari­an­ten beschrei­ben in drei Stu­fen einen zuneh­men­dem Grad an Ver­bind­lich­keit der Kooperation.

1. Bri­ga­des

Auf der unte­ren Stufe sind unab­hän­gige Bür­ger­in­itia­ti­ven wie die Open Know­ledge Labs von Code for Ger­many oder die Bri­ga­des von Code for Ame­rica zu nen­nen. Die Com­mu­nity orga­ni­siert sich selbst und initi­iert ihre eige­nen Pro­jekte. Die Kom­mu­ni­ka­tion zur Stadt­ver­wal­tung wird dabei gesucht, aber der Grad der Inter­ak­tion bleibt meist nied­rig und unver­bind­lich. Die Chan­cen sind hohe Geschwin­dig­keit und krea­tive Frei­heit; die Risi­ken sind man­gelnde Wir­kung, da für das letzte Finish einer Lösung die insti­tu­tio­nelle Unter­stüt­zung und Anschluss­lö­sung fehlt.

2. Fel­lowship

Auf der mitt­le­ren Stufe der Ver­bind­lich­keit ste­hen Pro­gramme wie das Code for Ame­rica Fel­lowship. Aus­ge­stat­tet mit einem Jah­res­sti­pen­dium arbei­ten kleine Teams, die aus der Com­mu­nity rekru­tiert wur­den, direkt mit den Mit­ar­bei­tern einer Part­ner­stadt und der loka­len Com­mu­nity an der Umset­zung neuer Lösun­gen. Eine auch ver­trag­lich gesi­cherte Ver­stän­di­gung über die Ziele erhöht die Ver­bind­lich­keit, aller­dings ist die lang­fris­tige Auf­recht­er­hal­tung der Lösun­gen den­noch nicht unbe­dingt garan­tiert – ent­we­der weil die Stadt keine wei­te­ren Res­sour­cen zur Wei­ter­füh­rung hat oder die Sti­pen­dia­ten sich danach ande­ren The­men zuwenden.

3. Inno­va­ti­ons­la­bors

Zuletzt gibt es einige Städte, die eigene Inno­va­ti­ons­la­bors ein­rich­ten. Pio­niere wie Boston’s Office for New Urban Mecha­nics oder das Labo­ra­to­rio para la Ciu­dad in Mexiko-​Stadt stel­len interne Inno­va­ti­ons­teams. Nach innen neh­men sie die Rolle des Risi­ko­trä­gers für Expe­ri­mente ein und nach aus­sen stel­len sie die Ver­bin­dung zur Com­mu­nity sicher. Alle besuch­ten Labs waren – und dies scheint ein wich­ti­ges Erfolgs­kri­te­rium zu sein – direkt dem Bür­ger­meis­ter unter­stellt und häu­fig von ihm initi­iert. Die Chan­cen die­ser Teams sind die beson­dere Legi­ti­ma­tion und Frei­heit zu expe­ri­men­tie­ren. Das Risiko bleibt, dass sich die Com­mu­nity abwen­det, wenn das zuge­sagte Enga­ge­ment der Stadt hin­ter den Erwar­tun­gen zurück bleibt. In der Schweiz hat sich bis­her noch keine Behörde mit einer Civic Tech Aktion bekannt gemacht – Zeit also, dass sich auch Schwei­zer Pionier-​Verwaltungen an diese neue Bewe­gung wagen und eine Code for Switz­er­land Kam­pa­gne starten!

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Über den Autor

Dr. Mar­cus Dapp ist wis­sen­schaft­li­cher Mit­ar­bei­ter der For­schungs­stelle Digi­tale Nach­hal­tig­keit. Er hat Erfah­run­gen bei der Lan­des­haupt­stadt Mün­chen, der Open Know­ledge Foun­da­tion (UK&DE) und Code for Ger­many. 2012 hat er die Digi­tal Sus­tainable Com­mons gegründet.


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