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Erste IT-Beschaffungskonferenz hat viele Fragen geklärt und auch einige neue aufgeworfen

12.09.2012 | von Matthias Stürmer

Das Informatiksteuerungsorgan Bund ISB, die Schweizerische Informatikkonferenz SIK, der SwissICT und die Swiss Open Systems User Group /ch/open veranstalteten am 11. September 2012 die erste nationale Informatik-Beschaffungskonferenz an der Universität Bern. Die über 220 Teilnehmenden stammten vorwiegend von Beschaffungsstellen aus Behörden und bundesnahen Organisationen.

Das Thema Informatik-Beschaffungen zog heute Dienstag, 11. September 2012 über 220 Teilnehmerinnen und Teilnehmer an die erste IT-Beschaffungskonferenz an die Universität Bern. Zu Beginn erläuterte Dominik Kuonen vom Kompetenzzentrum Beschaffungswesen Bund beim Bundesamt für Bauten und Logistik die komplexe Rechtssituation bei öffentlichen Beschaffungen. Sie ist geprägt von nationalem und kantonalem Recht sowie internationalen Abkommen. Dabei wurde ersichtlich, dass bei diesem engen Korsett der öffentlichen Beschaffungen die vier Grundprinzipien Wirtschaftlichkeit, Wettbewerb, Transparenz und Gleichbehandlung in stetem Spannungsverhältnis stehen. Beim Thema Produktausschreibungen wies Kuonen darauf hin, dass diese nur zulässig sind, wenn mögliche Alternativen mit grossen Nachteilen verbunden wären.

Peter Fischer, Delegierter für Informatiksteuerung des Bundes, zeigte auf, dass Informatikbeschaffungen in manchen Aspekten anders sind als beispielsweise Beschaffungen im Bauwesen. Dazu kommt, dass die IT-Industrie selber noch um Jahrzehnte unreifer ist als andere Branchen. Insbesondere die laufend sich verändernden Bedürfnissen und die langen Laufzeiten in der Verwaltung stellen grosse Herausforderungen dar. Fischer gab zu bedenken, dass die Wirtschaftlichkeit von gewissen Beschaffungsverfahren in Frage zu stellen ist, vor allem wenn der Beschaffungsprozess unverhältnismässig teuer ist gegenüber dem Beschaffungsgegenstand. Bundesverwaltungsrichter Marc Steiner rollte Überlegungen aus dem Beschwerdefall betreffend Microsoft-Vergabe im Jahr 2009 auf. Daran unterschied er die Rolle der Beschaffer in der Verwaltung, welche die Informatik-Strategie festlegen, und die Rolle des Gerichts, das die Rechtsmässigkeit des Beschaffungsverfahrens sicherstellt.

Im Anschluss an die Grundsatzreferate teilte Erika Bachmann, Direktorin Support Sozialdepartement Stadt Zürich, ihre praktischen Erkenntnisse im Bereich Software-Beschaffungsprozess. Neue Aspekte brachte Jean-Pierre Wymann, Leiter Wettbewerbe und Studienaufträge beim Schweizerischen Ingenieur- und Architektenverein, in die Diskussion ein. Er legte die Erfahrungen der Baubranche zum wettbewerblichen Dialog dar und wies unter anderem darauf hin, dass bei Architekturwettbewerben bereits die intellektuellen Vorleistungen für die Projektkonzeption finanziell entschädigt werden. Prof. Thomas Myrach vom Institut für Wirtschaftsinformatik Universität Bern erläuterte die Möglichkeiten und Grenzen von Total Cost of Ownership Modellen.

Wie zahlreich und erfolgreich Open Source Software in vielen europäischen Behörden eingesetzt wird, legte Gijs Hillenius, Redaktor der Open Source News bei der europäischen Joinup Plattform, dar. Unter anderem migriert zurzeit die französische Polizei ihre 85‘000 Arbeitsplätze auf Ubuntu Linux. Daniel Melin von den schwedischen Beschaffungsbehörden zeigte anschliessend auf, wie in Schweden mittels Rahmenvertrag mit Dienstleistern ein unkomplizierter und flexibler Weg gefunden hat Open Source Lösungen rechtskonform zu beschaffen.

An den Fachsessions und in den abschliessenden Podiumsgesprächen zu den Rahmenbedingungen für agile Softwarebeschaffung sowie über erfolgreiche Beschaffung von Open Source Software wurden die beiden Kernthemen vertieft diskutiert. Als Fazit kann festgestellt werden, dass die heutige Konferenz viele wichtige Aspekte behandelt hat, aber dass auch noch viele Fragen offen geblieben sind. Am morgigen Dinner der Parlamentarischen Gruppe Digitale Nachhaltigkeit werden die politischen Implikationen aus der heutigen Diskussion gezogen.

Fotos und Folien der IT-Beschaffungskonferenz

 

Kontakte

ISB: Peter Fischer, Delegierter Informatiksteuerungsorgan Bund
peter.fischer@isb.admin.ch, +41 31 325 98 98

SIK: Grégoire Hernan, stv. Geschäftsleiter
greg.hernan@sik.ch, +41 31 320 00 02

SwissICT: Reto Maduz, Vorstand Fachgruppe Lean, Agile & Scrum
reto.maduz@swissq.it, +41 43 288 88 40

/ch/open: Dr. Matthias Stürmer, Vorstandsmitglied
matthias.stuermer@ch-open.ch, +41 76 368 81 65



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