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Open Source Know-how durch Kompetenzzentren verbessern

15.11.2012 | von Matthias Stürmer, Ernst & Young

Die Open Source Studie Schweiz 2012 zeigt auf, dass heute fast alle Unternehmen und Behörden Open Source Software einsetzen, aber das Potential noch nicht voll ausschöpfen. Für die Zukunft werden neben strategischen Vorteilen auch wesentliche Kosteneinsparungen durch Open Source Einsatz im Enterprise-Umfeld erwartet. Stefan Arn, CIO der UBS für die Schweiz und die Region EMEA, bestätigt dies in seinem Vorwort der im Oktober veröffentlichten Studie.

Alle drei Jahre führen SwissICT, der grösste Fachverband der Schweizer ICT-Branche, und der Open Source Förderverein Swiss Open Systems User Group /ch/open die Open Source Studie Schweiz durch. Die Umfrage wurde im Juni 2012 an 851 Mitglieder des SwissICT sowie Entscheidungsträger der öffentlichen Verwaltung verschickt. 202 Unternehmen und Behörden haben die Fragen über Einsatz, Nutzen und Hinderungsgründe von Open Source Software beantwortet. 77% der Antwortenden waren CEOs oder CIOs/CTOs. Die Studie wurde begleitet durch das Informatiksteuerungsorgan des Bundes (ISB) und den Lehrstuhl für Strategisches Management und Innovation der ETH Zürich.

Die Resultate reden eine deutliche Sprache: Von den 202 untersuchten Unternehmen und Behörden nutzen 93% bewusst Open Source Software. Als wichtigste Vorteile von Open Source wählten die Antwortenden die Unterstützung von offenen Standards und Schnittstellen, Kosteneinsparungen sowie Unabhängigkeit von Lieferanten. Aus den zahlreichen Erkenntnissen der diesjährigen Studie sticht hervor, dass speziell KMUs über-zeugt sind, als Open Source Anwender Informatikkosten einzusparen. Substantielle Einsparungen von 10% bis über 30% erwarten 59% der untersuchten Unternehmen vor allem in der Zukunft. Diese können dann erzielt werden, wenn die bestehenden Hemmschwellen beim Einsatz von Open Source Software konsequent abgebaut werden. Die wichtigsten Hinderungsgründe für den Einsatz von Open Source Software sind ungeklärte Haftungsfragen, Mangel an kommerziellen Open Source Dienstleistungen sowie fehlende Benutzerakzeptanz.

Neben KMUs ist Open Source aber auch für die Banken-IT ein wichtiges Thema, wie Stefan Arn, CIO der UBS für die Schweiz und die Region EMEA, im Vorwort der Studie festhält: „Open Source ist heute in der Banken-IT ein grosses Thema: Vom Verbot zum kontrollierten Einsatz.“ Arn weist auch auf das langfristige Potential von Open Source Software im geschäftskritischen Einsatz hin: „Der Umgang mit freier Software ist integraler Bestandteil des Technologie-Managements und keine isolierte Aktivität mehr. […] Unternehmen tun gut daran, sich mit dem Thema auf strategischer Ebene auseinanderzusetzen.“

Als wichtige Möglichkeit, mittels Open Source Software Kosten zu sparen, erweist sich die gemeinsame Entwicklung von Open Source Lösungen. Unternehmen und Behörden können gewisse Entwicklungstätigkeiten für Open Source Software bündeln oder sich auch langfristig zu Anwendervereinigungen zusammenschliessen um so die Weiterentwicklung von Software-Lösungen zu teilen. Die Studienresultate zeigen, dass sich insbesondere öffentliche Verwaltungen durch diese Form der Zusammenarbeit Kosteneinsparpotential versprechen. Wichtig sind auch Einsparungsmöglichkeiten bei Betriebskosten und Ausgaben für Wartung und Support. Bei den Personalkosten und Hardware-Ausgaben werden hingegen nur selten wesentliche Einsparungen erwartet.

Eine weitere Möglichkeit, den Nutzen von Open Source Software zu steigern, ist die Erarbeitung einer Open Source Strategie. Erst 20% der IT-Anwenderfirmen und Behörden gaben an, über einen strategischen Plan zu verfügen, wie die Vorteile von Open Source Software systematisch genutzt werden können. Immerhin gab nochmal rund ein Fünftel der IT-Anwender an, die Notwendigkeit für klare Vorgaben bezüglich Open Source Software erkannt zu haben.

Für den Einsatz von Open Source Software sprechen erhöhte Interoperabilität, mögliche Kosteneinsparungen und eine Reduktion der Herstellerabhängigkeiten. Dies sind drei einleuchtende Argumente, die kurz begründet werden sollen: Erstens betreiben heutige Organisationen meist eine Vielzahl von Systemen und Anwendungen, was dazu führt, dass die Einbettung von neuen Lösungen eine besonders grosse Herausforderung darstellt. Die offenen Schnittstellen und meist gut dokumentierten Datenstandards geben Open Source Software bei der Systemintegration einen klaren Vorteil. Zweitens steht die Informatik stets unter Kostendruck, verstärkt durch die aktuelle wirtschaftliche Lage. Damit wächst das Interesse, Open Source Software auch speziell für die Reduktion der IT-Ausgaben vorzusehen. Verhandlungsvorteile bei den Lizenzpreisen können insbesondere dann erzielt werden, wenn drittens die Abhängigkeit von den bestehenden Lieferanten niedrig ist – ein weiterer oft genannter Vorteil von Open Source Software. Mit diesen und weiteren Argumenten für Open Source wird deutlich, dass bei optimalem Einsatz sowohl direkte als auch indirekte Möglichkeiten für Kosteneinsparungen bei der Informatik realisiert werden können.

Erstaunlich ist deshalb ein weiteres Resultat der Open Source Studie: Trotz verbreitetem Einsatz von Open Source Software konnten in der Vergangenheit vielfach nur geringe Kosteneinsparungen erzielt werden. Die meisten Antwortenden erwarten erst in Zukunft einen signifikanten Return on Investment. Dieser ROI kann aber nur dann erzielt werden, wenn die heute noch vorhandenen Hemmschwellen beim Einsatz von Open Source Software abgebaut werden. Die grössten Barrieren stellen Haftungsfragen und der Mangel an kommerziellen Dienstleistern dar. Offenbar haben die Bemühungen der letzten Jahre, Aufklärung über die rechtliche Situation zu schaffen, noch nicht ausgereicht. Es bestehen immer noch signifikante rechtliche Unsicherheiten in Bezug auf Open Source Software. Gleichzeitig fehlen die Supportangebote von Open Source Firmen – oder sie sind noch zu wenig bekannt.

Abhilfe schaffen dabei weitere juristische Aufklärungsarbeiten sowie eine noch bessere Auffindbarkeit von Open Source Dienstleistungsangeboten. Vereine wie die Swiss Open Systems User Group /ch/open führten deshalb in der Vergangenheit Informationsanlässe bezüglich rechtlicher Fragestellungen durch und werden das auch künftig tun. Zum Auffinden kompetenter Open Source Firmen besteht in der Schweiz seit 2004 das Open Source Directory auf www.ossdirectory.ch, welches seit Oktober 2012 neu implementiert auf der Schweizer Open Source Informationsplattform www.opensource.ch zugänglich ist. Damit soll der Informations- und Erfahrungsaustausch intensiviert werden, sodass sich Entscheidungsträger bei Open Source Einführungsprojekten auf verlässliches Wissen und Best Practices abstützen können.

Als Hindernis wurde zudem vielfach der Mangel an internem Knowhow genannt. Solange dies nicht vorhanden ist, muss das Wissen extern beschafft werden. Dazu bieten sich so genannte Open Source Kompetenzzentren an, welche in anderen europäischen Ländern schon seit mehreren Jahren erfolgreich tätig sind. Diese Non-Profit Organisationen funktionieren als Kommunikations- und Koordinationsstellen um Erfahrungen weiterzugeben, Wissensmanagement-Initiativen zu starten und den Informationsfluss zu unterstützen. Bei diesen Kompetenzstellen finden Open Source Anwenderorganisationen und Dienstleister zusammen, teilen ihre Lessons Learned und entwickeln neue Projekte und Aktivitäten.

Zusammenfassend kann festgestellt werden, dass die meisten in dieser Studie identifizierten Herausforderungen gezielt mit der Schaffung einer derartigen Schweizer Open Source Kompetenzstelle angegangen werden könnten. Damit liessen sich Synergien nutzen und die notwendigen Erkenntnisse austauschen, um letztlich das Potential von Open Source Software noch stärker auszuschöpfen.



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